Gyroslovers

Doris & Markus gehen griechisch essen



VS-SCHWENNINGEN - Delphi

Wenn beide Töchter seit gefühlten 1000 Jahren auf koreanische Popmusik stehen und die wohl bekannteste K-Pop Band mal wieder in guter alter Beatles-Manier einen Film in die Kinos bringt, dann hat man nur zwei Möglichkeiten: Erstens, man schließt die Kinder zuhause ein, oder zweitens, man reserviert für die Dauer der Vorstellung einen Tisch in einem gemütlichen Restaurant und holt den aufgedrehten Nachwuchs zu einem vorher vereinbarten Zeitpunkt am Kino wieder ab. Glaubt mir: Kinder einschließen geht nicht.
Also haben wir uns für die zweite Variante entschieden. Da das Kino in VS-Schwenningen liegt haben wir natürlich nach einem griechischen Restaurant gesucht, das wir noch nicht getestet hatten. Leider stecken wir mitten in den Sommerferien und das auserkorene Restaurant befand sich im sicher wohlverdienten Betriebsurlaub. Also haben wir weiter gegoogelt und sind dabei auf das "Delphi" in Schwenningen gestoßen. Dabei sind uns vor allem die unglaublich weit auseinanderliegenden Rezensionen aufgefallen, die von „Lebensmittelvergiftung“ über „War ganz gut“, bis zu „bester Grieche überhaupt“ reichen.
Eine derart weite Streuung auch in dieser Häufigkeit sieht man sonst selten. Sicher, es gibt für jedes Restaurant auch mal schlechte Bewertungen, jeder, ob Gast oder Gastronom hat mal einen schlechten Tag, an dem nichts schmecken beziehungsweise nichts gelingen will, aber die schlechten Bewertungen sind in der Regel an einer Hand abzuzählen.
Hier nicht. Die recht hohe Anzahl unzufriedener Gäste hat uns förmlich ins "Delphi" getrieben, denn man sollte sich immer ein eigenes Bild machen. Ich muss zugeben, dass ich wirklich sehr skeptisch das "Delphi" betreten habe. Die häufig kritisierte „kalte und nüchterne Einrichtung“ fand ich persönlich sehr gelungen. Die mediterrane Dekoration war schlicht, aber elegant und unaufdringlich und sicher durchaus teurer als so mancher Touri-Nap den man in vielen anderen Griechen in jeder Ecke in Hülle und Fülle finden kann. Ein paar Kupferstiche eines griechischen Tempels hier, ein paar Fischreusen da, weiß eingedeckte Tische an denen dunkelbraune, bequeme Lederstühle stehen. Wer es zurückhaltend elegant mag, dem gefällt es hier. Wer Gyros nur folkloristisch umrahmt genießen kann, dem wird es hier zu nüchtern sein. Gegen das Nüchtern sein kann man aber bekanntlich etwas machen. Wir bestellten Samos, der nicht in jedem griechischen Restaurant auf der Karte zu finden ist, weil er etwas teurer und von seiner Schwere und Süße gegen das zeitgenössische Trockene im Glas verstößt. Wir stehen drauf. Die Karte wurde uns schnell gereicht, die Bestellung zügig, aber mit genug Zeit zum Entscheiden aufgenommen. Die männliche Bedienung war freundlich und gut gelaunt. Als Vorspeise habe ich mal was ganz anderes versucht: Gegrillte Auberginen mit Tzatziki. Markus die klassischen gegrillten Peperoni. Dazu gereicht wurden gegrillte und mit Olivenöl beträufelte Brötchenhälften. Auberginen kann nicht jeder. Um ehrlich zu sein habe ich bisher in einem Restaurant nur ein einziges Mal Auberginen gegessen, die mir auch geschmeckt haben, obwohl ich Auberginen an und für sich sehr mag. Aber diese hier haben mich voll und ganz überzeugt. Sie waren dezent gewürzt und nicht mit irgendeiner Paste so zugeschmiert, dass man den Auberginengeschmack nicht mehr hatte. Auf der einen Seite waren sie knusprig gegrillt oder frittiert, das ist bei Auberginen immer schwer zu sagen, da sie ja von Haus aus schon sehr ölig sind. Ein paar Perlen Knoblauchsauce haben den Hochgenuss abgerundet. Ich habe mich richtig gaumenverwöhnt gefühlt. Das Brot habe ich erst probiert, als ich mit den Auberginen fertig war, aber auch dann war es noch warm und knusprig. Zu Markus` Hauptgericht gehörte auch ein gemischter Salat. Bauernsalat gibt es gegen Aufpreis. Der Salat war zwar frisch und knackig, hat aber durchaus Verbesserungspotential, vor allem beim Dressing, das wässrig und nichtssagend war. Aber letztlich waren wir ja nicht zum Salatessen da. Relativ schnell nach der Vorspeise wurde bereits die Hauptspeise serviert. Ich hatte Gyros Athener Art auf Pitabrot und unter gegrillten Tomaten. Das Gyros war fantastisch. Ich hätte mich buchstäblich reinlegen können. Ich mag es ja, wenn das Fleisch knusprig ist. Dennoch darf es nicht trocken sein. Beides traf hier zu. Dazu kam noch eine Portionsgröße, die ihresgleichen sucht.
Als ich bis zum Platzen satt war, hat man kaum gesehen, dass ich überhaupt etwas gegessen hatte. Dabei habe ich Pita und Tomaten nicht mal angerührt, weil ich meinen Hunger wirklich ausschließlich mit diesem köstlichen Fleisch stillen wollte. Ich habe geschwelgt. Die Menge hätte locker für zwei Personen gereicht und damit ist der Preis, der ca. einen Euro über dem Durchschnitt liegt, durchaus gerechtfertigt. Das dazu gereichte Tzatziki war hausgemacht, hätte bei der Fleischmenge aber auch ein bisschen mehr sein können, denn für das ganze Fleisch hätte es niemals gereicht. Markus hatte, trotz Warnungen im Netz, einen Fischteller bestellt. Auch er war mit Geschmack, Zubereitung und Menge sehr zufrieden. Mit der Rechnung kam ein Ouzo, der kostenlos gereicht wurde. Der Samos war gut, nicht die billige Supermarktflasche und leicht gekühlt. Mir hätte er durchaus noch ein bisschen kälter sein können. Aber wenigstens hatte er nicht Zimmertemperatur, wie in vielen Restaurants, sodass ich mir keine Eiswürfel dazu bestellen musste. Also Leute: Bildet euch euer eigenes Urteil.
Wir gehören zur Fraktion: Sehr gutes griechisches Restaurant direkt vor der Haustür, aber um den vielen unterschiedlichen Rezensionen im Netz gerecht zu werden, werden wir das "Delphi" noch das ein oder andere Mal besuchen und auch bewerten, denn von einem Mal, bei so unterschiedlichen Leistungen, kann man hier meiner Meinung nach, nach nur einem Besuch kein abschließendes Urteil bilden. Wir sind gespannt und werden Euch definitiv über das "Delphi" auf dem Laufenden halten.